Was ist Schlaraffia?

Schlaraffia ist ein weltweit verbreiteter Bund von gebildeten Männern, die Freude daran haben, ein von freundschaftlichem Geist, Kunstsinn und Humor getragenes Spiel mitzuspielen.

Schlaraffia wurde 1859 in Prag vom Direktor des dortigen Deutschen Theaters, Künstlern und Kunstfreunden gegründet.
Bis dato erfreute man sich an fröhlichem Stammtisch gegenseitig mit künstlerischen Vorträgen jeder Art, wobei eine humorvolle Persiflage der bürgerlichen Verhältnisse, vor allem des Ämter- und Standesdünkels nicht zu kurz kam. Hieraus entwickelte sich nach und nach ein Spiel, das dann mit der Gründung des Vereins „Schlaraffia” ein humorvolles, am Rittertum des Mittelalters orientiertes Reglement erhielt. Das erste „Schlaraffenreych”, die „Praga”, war geboren.

Die Schlaraffische Idee griff aufgrund der Beziehungen der Theater untereinander rasch um sich, Reych um Reych entstand.
Das inzwischen nicht mehr existierende Reych Praga wird von allen Nachfolgereychen, von denen es bisher über 400 gab, als Allmutter Praga verehrt und gefeiert. Das Spiel der Schlaraffen hat sich praktisch seit den Gründungsjahren bis heute kaum verändert.

In derzeit 263 Schlaraffenreychen treffen sich die annähernd 11.000 Schlaraffen während der von Oktober bis April dauernden „Winterung” in ihrem Vereinslokal, der „Schlaraffenburg”, regelmäßig einmal in der Woche zur sogenannten „Sippung”.
In der Burg herrscht als oberstes Wesen der stets mit einem Auge zwinkernde „weise Uhu”. Sich vor ihm verneigend streift der Schlaraffe beim Betreten der Burg seine profane Identität ab, um sich, von allem Alltagsballast befreit, dem nun beginnenden Spiel zu widmen.
Vor der Kulisse der als Rittersaal hergerichteten Burg gestalten dann die Schlaraffen in ihrer jeweiligen Rolle als Knappen, Junker oder Ritter den Sippungsabend, wobei ein heiteres, dem Rittertum entlehntes Zeremonial alles Treiben bestimmt.
Einer der drei auf den „Thron” gewählten Oberschlaraffen führt als fungierender Oberschlaraffe durch die Sippung. Während seiner Funktion ist er von Uhu „erleuchtet” und somit unangreifbar.
Zu Beginn steht neben den in heiterer Form abzuhandelnden Vereinsregularien u.a. die feierliche und herzliche Begrüßung der Sassen befreundeter Reyche. Alle Reyche des „Uhuversums” sind „befreundete Reyche” und „Ausreytten” ist bei Schlaraffen sehr beliebt, man ist in jedem Reych des Uhuversums zu Hause!
Den Schwerpunkt der Sippung bildet dann die Behandlung des jeweiligen im Winterungsprogramm angekündigten Themas.
Wer gut reimen kann, verpackt seine Worte in Verse, gute Prosa ist ebenbürtig. Musik erfreut in beinahe jeder Form. Humor – nicht als plumper Witz – vielmehr als „Lachen des Herzens” verstanden, ist wesentlicher Bestandteil. Themen aus Politik und Religion sind wohlweislich nicht zugelassen.
Für alle Beiträge gilt der Grundsatz: „Das Herz gehört dazu”. Mit einem laut gerufenen „LuLuuuu!” bekunden die Schlaraffen ihre Zustimmung und Begeisterung. „Lulu” ist als Ruf des Uhus auch der allgemeine Gruß der Schlaraffen untereinander.
Wenn sich aus den vielseitigen Darbietungen, den Kommentaren dazu, der heiteren Rede und Gegenrede dann das Spiel verselbständigt , „fliegt der güldene Ball”; und dann wird der Fungierende am Sippungsende wie in der Woche zuvor wieder einmal konstatieren, dass diese Sippung eine der Schönsten war, eine schlaraffische Sternstunde!
Dann erklingt das Sippungsschlusslied, die Schlaraffen verbinden die Hände zu einer großen Kette und versprechen sich, Schlaraffen zu bleiben. Der Fungierende verabschiedet die eingerittenen Gäste und wünscht allen Sassen einen guten „Heimritt”, und ein kräftiger Schlag auf das Tamtam (Gong) beendet die Sippung.

Dieses Spiel wird in allen Reychen weltweit nach gleichem Zeremonial gespielt.
Die „Ambtssprache” ist dabei in allen Ländern Deutsch, und schmückt sich als
„Schlaraffenlatein” mit einer Vielzahl dem Mittelhochdeutschen entlehnter bzw. nach empfundener Worte. Die Mitgliedschaft in Schlaraffia ist jedoch unabhängig von Nationalität, Weltanschauung und sozialer Herkunft. Dies entspricht auch den Idealen, die der Entstehungsgeschichte der Schlaraffia zugrunde liegen.
Wer wo im „Uhuversum” Schlaraffe ist, wann und wo gesippt wird, kann jeder Schlaraffe in einer jährlich neu aufgelegten „Stammrolle” nachlesen. Ebenso sind zu Beginn einer Winterung die Themen und besonderen Veranstaltungen aller Schlaraffenreyche bekannt. In jedem der 263 Reyche ist jeder Schlaraffe ohne Anmeldung willkommener Schlaraffenfreund und Mitspieler.
Über das Geschehen in Schlaraffia informiert monatlich „Der Schlaraffia Zeyttungen”.

Wie wird man Schlaraffe?

Die Mitgliederzahl in Allschlaraffia insgesamt steigt konstant. Die Gründung neuer Reyche ist vorauszusehen. Es gibt aber auch Reyche, in denen man sich sehr um geeignete Mitglieder bemüht, um das Spiel lebendig zu halten. 

In Schlaraffia ist nichts geheim. Die Burgpforte steht für jeden interessierten Mann offen, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich; sie erfolgt durch z.B. telefonische Kontaktaufnahme mit dem Kanzler des Reyches, oder bei persönlicher Bekanntheit mit einem Schlaraffen durch diesen. Der so avisierte Gast „reytet” dann als „Pilger” ein. Bekleidet mit einer Pilgerhaube und wohlbetreut durch Sassen des Reyches wird er mit all dem Neuen Bekanntschaft schließen.


Wer dann Schlaraffe werden möchte, lässt sich durch einen Ritter des Reyches, der ihm als Pate zur Seite steht, anmelden. Über die Aufnahme entscheiden die Mitglieder des jeweiligen Reyches nach einer Phase gegenseitigen Kennenlernens.
Als „Prüfling” wird der bisherige Pilger herausfinden, ob ihm das Spiel auf Dauer Freude machen wird und wie er sich aktiv einbringen kann.
Ein gewichtiges Wort hat allerdings der weibliche Anhang des Prüflings, muss doch die designierte „Burgfrau” oder „Burgwonne” bereit sein, ihren „Burgherrn” in der Winterung zu den wöchentlichen Sippungen zu beurlauben.
Mehrmals in der Winterung ist die Burgpforte aber auch für Burgfrauen, Familie und Gäste zu Veranstaltungen außerhalb des Sippungsgeschehens geöffnet. So entstehen freundschaftliche Kontakte zwischen den Familien der Schlaraffen.
In der Öffentlichkeit erkennen sich Schlaraffen an einer kleinen am Revers getragenen Perle, der „Rolandnadel”.

Lulu!

Text von Rt. Gieß-Reim

www.schlaraffia-colonia-agrippina.de